Was sind alte Sorten?
Oft sind „alte Sorten“ tatsächlich älter und stammen etwa aus dem Zeitraum von 1800 bis 1950. Sie besitzen heute keine Zulassungen mehr oder haben noch niemals eine besessen. Es gibt aber auch neue Züchtungen, die samenfest sind und damit durchaus zu den „alten Sorten“ gezählt werden können, auch, wenn sie noch recht jung sind.
Etwa um das Jahr 1800 herum gab es den heute gängigen Ansichten nach wohl die größte Anzahl an sogenannten Landsorten. Davon gab es wohl ähnlich viele, wie es Bauernhöfe gab. Es handelte sich um Sorten, die sich an die speziellen Gegebenheiten vor Ort angepasst hatten. Von Generation zu Generation wurden sie weitergegeben, angebaut und hatten so einen geregelten Fortbestand. Änderte sich das Klima, so waren diese Sorten in der Lage, sich binnen weniger Generationen an die neuen Gegebenheiten anzupassen.
Im Rahmen der Flurbereinigung wurden versprengt liegende Ackerflächen verschiedener Landwirte zu großen und einheitlichen Flächen zusammengefasst. Gebüschstreifen und ehemalige Randzonen konnten so zu Ackerfläche werden und verschwanden und mit Ihnen viele Lebensräume und Korridore für heute leider oft selten gewordene einheimische Tier- und Pflanzenarten. Mit den großen Ackerflächen hielt die Monokultur Einzug und die Anforderungen an Nutzpflanzen änderten sich: Es wurden neue Kreuzungen kreiert, sogenannte Hybrid-Sorten, die sich durch höhere Erträge, eine große Einheitlichkeit, sowie Resistenzen gegenüber verschiedenen Schädlingen oder Krankheiten auszeichnen.

Die Einführung des Saatgutverkehrsgesetzes war dann der endgültige Todesstoß für die Vielfalt: Jede Sorte, die zum Verzehr zugelassen ist, muss vom Bundessortenamt geprüft und klassifiziert werden. Prüfkriterien sind Haltbarkeit, Homogenität der Früchte, gleichmäßige Reife, Transportfähigkeit und vieles andere mehr. Der Geschmack ist hierbei kein Prüfkriterium!
Fassen wir also zusammen: Alte Sorten sind immer samenfest und in aller Regel durch mehr sekundäre Pflanzenstoffe deutlich gesünder als die ertragreicheren Hybridsorten. Sie schmecken besser und sind der Schlüssel für mehr Biodiversität im eigenen Garten.