Tomatenanbau
Ich möchte im Folgenden erklären, wie ich Tomaten anbaue und warum ich Tomaten so anbaue, wie ich es tue. Nicht jede Methode wird überall funktionieren und dennoch möchte ich Sie ermutigen Neues auszuprobieren und begeistert zu bleiben.
Ich erziehe meine Tomatenpflanzen von Anfang an dazu, viele Wurzeln zu bilden. Das Anzuchtsubstrat ist sehr arm an Nährstoffen und Wasser gibt es nur von unten. Um sich also versorgen zu können, müssen die Jungpflanzen das komplette Substrat durchwurzeln und jeden verwertbaren Nährstoffkrümel nutzen und um an Wasser zu kommen, müssen die Wurzeln bis nach unten reichen. Mit dem Pikieren und jedem weiteren Umtopfen setze ich die Pflanzen deutlich tiefer in die Erde als zuvor. Es kann durchaus passieren, dass ein gutes Drittel der Pflanze im Boden eingegraben wird. Hintergrund ist, dass sich so an den Stängeln sogenannte Adventivwurzeln bilden und diese sind für den Gärtner und die Pflanze gleichermaßen ein Segen. Und damit möglichst viele Wurzeln gebildet werden, verwende ich bis zum Auspflanzen an den endgültigen Standort ausschließlich nährstoffarme Anzuchterde.
Das genaue Vorgehen bei der Anzucht können Sie in der Anzuchtanleitung nachlesen.
Nach den Eisheiligen können in den meisten Regionen Deutschlands die Tomaten nach draußen umziehen. Wirklich sicher vor Nachtfrösten ist man ab dem 01. Juni. Davor ist noch etwas Vorsicht geboten.

Meine Tomaten wachsen im Boden und sind von einem Regendach geschützt. Dieses Dach wird Anfang Mai aufgebaut und Anfang Dezember wieder abgebaut. Diesen Aufwand betreibe ich, damit sich der Boden über den Winter etwas regenerieren und seine Wasserspeicher wieder auffüllen kann. Meines Erachtens ist das auch nötig, weil ich die 72 Quadratmeter überdachte Fläche in der Zeit, in der die Tomaten dort wachsen, sehr trocken halte. Im heißen Sommer 2023 habe ich die Tomaten in der ganzen Saison nur sechs Mal gegossen. Möglich ist das nur, wenn die Pflanzen von Anfang an auf ein starkes Wurzelwachstum hin erzogen werden. Tomatenpflanzen können 2,8 Meter lange Wurzeln ausbilden. Freilich nicht nur in die Tiefe, aber dennoch finden sie mit diesem Wurzelwerk in der Regel genügend Wasser und nehmen mit dem Wasser noch reichlich Mineralstoffe auf, die die Früchte aromatischer werden lassen.
Bei meinen Tomaten wachsen noch eine ganze Menge anderer Pflanzen, wie Salate, Zwiebeln, viele Kräuter, Blumen, Radieschen, Bohnen, Kohl etc. Diese müssen natürlich etwas häufiger gegossen werden und sicherlich holen sich die Tomaten davon auch etwas Wasser, aber der Grundsatz bleibt bestehen und nur, wenn die Tomatenpflanzen ausreichend Wurzeln gebildet haben, können sie bestehen.
Sparsam bin ich nicht nur beim Wasser. Auch gedüngt wird nur zweimal im Jahr mit einem Gemisch aus dem Sickersaft des Küchen-Bokashi und Wasser im Verhältnis von 1:200. In meinem Fall sind das 5 Liter Bokashisaft auf 1000 Liter Wasser und das für über 120 Tomatenpflanzen.


Zurück zum natürlichen Lebensraum in den Anden: Tomaten mit ihren biegsamen Stielen krabbeln und kriechen über die Steine der Hänge und wo sie auf freien Boden treffen, wurzeln sie fest. Das ist dort nötig, um Wasser und Nährstoffe aufzunehmen und um sich fest zu verankern gegen mitunter starke Winde. Die Härchen auf den Blättern haben genau etwas mit diesem Wind zu tun: die halten eine dünne Luftschicht nah am Blatt fest, damit der Wind die Blätter nicht zu sehr austrocknet. Auch die Fähigkeit die Blätter einrollen zu können, ist eine Anpassung an diesen unwirtlichen Lebensraum. Es handelt sich um eine Art Sonnenschutz, denn die der Sonne entgegengestreckte Blattfläche wird damit deutlich verringert.
Ich gieße und dünge also sehr wenig und die Pflanzen wachsen dadurch langsamer, aber robuster. Ihre Zellwände sind dicker. Pilzkrankheiten haben es schwerer die Pflanzen zu befallen und sich von einer zur anderen Zelle auszubreiten.
Kultiviert man seine Tomaten im Topf, so sollte man ebenfalls vor diesem Hintergrund auf ein paar Dinge achten: Verwenden Sie keine Töpfe, die weniger als 20 Liter Fassungsvermögen haben. Zur besseren Vorstellung: Das sind zwei handelsübliche Putzeimer Blumenerde. Das ist auch für Sie wichtig, denn sonst sind sie an heißen Tagen sehr häufig am Gießen. Hier sei noch eine Faustregel erwähnt: Gießen Sie Ihre Tomatenpflanzen erst dann wieder, wenn sie am Morgen ihre Blätter hängen lässt. Warum ist das so? Das Erschlaffen und Einrollen der Blätter ist, wie oben erwähnt, ein Sonnenschutzmechanismus der Pflanze. Das heißt aber nicht, dass nicht doch noch Feuchtigkeit in der Erde ist. Wenn Sie jetzt gleich gießen, hebeln Sie diesen Schutzmechanismus aus. Kann die Pflanze aber auch über Nacht die Blätter nicht wieder aufstellen, dann ist der Boden tatsächlich zu trocken und Sie müssen gießen, und zwar ausgiebig.

Auch im Topf sollte man die Erde etwas abdecken. Dann trocknet sie weniger schnell aus und dann – und das gilt für Topf und Garten gleichermaßen – nutzen Sie den vorhandenen Platz zum Anpflanzen von Kräutern und anderem Gemüse. Tomaten sind mit einer ganzen Palette an anderen Pflanzen hervorragend kombinierbar. Ein Topf mit 20 Litern Fassungsvermögen muss nicht nur eine Tomatenpflanze beherbergen. Nutzen Sie den Topf gleichzeitig für Salate, Basilikum, Petersilie, Radieschen oder pflanzen Sie ein paar bunte Tagetes dazu. Machen Sie es sich und der Tomate schön und bunt.

Am Ende einer jeden Saison sehe ich überall geköpfte Tomatenpflanzen. Es ist noch weit verbreitet, dass man ab einem gewissen Zeitpunkt die Triebe oben abschneidet, weil die Früchte bis zum ersten Frost nicht mehr ausreifen würden. Es stimmt: Die Früchte würden nicht mehr ausreifen und wären wohl auch für ein Nachreifen in der Wohnung noch zu klein. Aber bitte entfernen Sie die Spitzen der Tomaten nicht komplett, sondern brechen einfach nur die Blütenrispe aus. Durch das Entspitzen nehmen Sie der Pflanze die neuen, frischen und unverbrauchten Blätter, die durch ihre Höhe am meisten Licht abbekommen. Was zurückbleibt, sind derbe, verbrauchte, alte Blätter weit unten an den Pflanzen. Durch diesen radikalen Eingriff reifen die am Strauch befindlichen Tomaten nicht früher. Duch die fehlende Blattmasse lagern die Früchte aber weniger Zucker ein und versuchen krampfhaft neune Seitentriebe zu bilden, die wir dann im schlimmsten Fall immer wieder ausbrechen. Die Tomatenpflanze hat hier im Gegensatz zu uns keine Eile. Sie weiß nicht, dass der Frost bevorsteht. In ihrer Heimat werden Tomatenpflanzen zwischen drei und sieben Jahre alt. Die Pflanze lässt also nicht die Tomaten schnell abreifen, sondern sie versucht alles, um sich für ihre vermeintliche Zukunft gut aufzustellen.
Nach dem ersten Frost schneide ich die Tomatenpflanzen bodentief ab und schneide sie klein. Diese zerschnittenen Tomatenpflanzen und die vielen anderen Pflanzen auf meinem Areal bilden die Mulchschicht für den Winter. Nach dem Rückschnitt bedecken Berge von Blättern und Stängeln den Boden. Im nächsten Frühjahr sind davon vielleicht noch 20% vorhanden. Es sind die harten und verholzten Teile, die die Regenwürmer über den Winter verschmäht haben und die Mikroorganismen bräuchten noch etwas länger, um auch diese Teile zu zersetzen. Diese Reste gebe ich auf den Kompost. Die „verschwundenen“ 80% sind Humus geworden dank vieler kleiner Helfer. Dieser Humus ist ein wichtiger Bodenbestandteil für den Anbau in der nächsten Saison.
Drei Hinweise seien hier noch angehängt:
- Sie können selbst von Kraut- und Braunfäule befallene Pflanzenteile als Mulch für den Winter verwenden. Der Erregerpilz, Phytophthora infestans“, kann nur auf lebendigem Pflanzenmaterial überwintern. Hüten Sie sich daher eher vor Kartoffeln in der Nähe von Tomatenkulturen. Auf vergessenen Knollen im Boden kann der Erreger nämlich problemlos den Winter überdauern.
- Wer seinem Boden noch etwas Gutes tun will, der kann im späten Herbst oder über den Winter Urgesteinsmehl über die Mulchschicht streuen. Die winterlichen Regenfälle und die Schneeschmelze waschen diese Mineralstoffe dann in den Boden und die Pflanzen sind in der nächsten Saison gut versorgt.
- Der Humusaufbau kann nur gelingen, wenn man den Boden nicht umgräbt, bzw. die Scholle nicht wendet. Der Boden muss in seinen Schichten erhalten bleiben. Mikroorganismen, die Sauerstoff zum Überleben benötigen, siedeln sich oben an und die, für die Sauerstoff giftig ist, siedeln sich in tieferen Erdschichten an. Wendet man den Boden, so sterben beide… Ich lockere den Boden lediglich mit einer Grabgabel, die ich hin und her bewege. Sonst greife ich nicht in die Bodenstruktur ein.
Vielleicht konnten Sie ein paar Ideen mitnehmen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Anbau!